DE
12+

Стресс в позднем социализме и в постсоциализме

Статья (ru):
Artikel (de):
14.04.2018

4 комментария

11.06.2018 18:03
Universität Basel
Departement Geschichte
Forschungskolloquium Osteuropäische Geschichte
FS 2018
Protokoll: Oliver Sterchi

Protokoll der Sitzung vom 14. März 2018
Referent: Dr. Jan Arend (LMU München), Stress im Spät- und Postsozialismus. Zum gesell-schaftlichen Umgang mit Belastungserfahrungen in Ostdeutschland und der Tschechoslowa-kei/Tschechien, 1970-2010.

I. Inputreferat
Der Historiker Jan Arend untersucht in seinem Habilitationsprojekt am Beispiel Ostdeutschlands und der Tschechoslowakei bzw. Tschechien den gesellschaftlichen Umgang mit Stress im Spät- und Post-sozialismus. Stress gehört zum zentralen Erfahrungsbestand moderner Gesellschaften. Die historische Forschung thematisierte dieses Phänomen bis anhin vor allem im Kontext der Geschichte des kapitalistischen Westens. Stress wird vor diesem Hintergrund als spezifisches Symptom einer von Wettbewerb und Leistungsdruck angetriebenen kapitalistischen Gesellschaft gedeutet. Dieses einseitige Bild will der Autor mit seiner Arbeit problematisieren und erweitern: Er argumentiert, dass Stress auch in den (spät)sozialistischen Gesellschaften Mitteleuropas als Phänomen wahrgenommen und thematisiert wurde. Der Autor hinterfragt damit auch das herkömmliche Narrativ einer trägen und stagnierenden spätsozialistischen Gesellschaft, die sich erst im Zuge des tiefgreifenden Transformationsprozesses nach der Wende Stresserfahrungen ausgesetzt sah.
Die Leitthese des Projekts lautet, dass die Thematisierung von Stress sowohl eine stabilisierende als auch eine destabilisierende Wirkung auf die herrschende Ordnung haben kann. Stabilisierend wirkt sie, wenn beispielsweise die Eliten so ihre Leistungsbereitschaft herausstreichen und sich dadurch in die herrschende Ordnung einschreiben. Eine destabilisierende Wirkung hat sie, wenn die Akteure damit Kritik an den ökonomischen und/oder politischen Zuständen üben. Die übergeordnete Fragestellung nimmt damit die gesellschaftliche und politische Funktion der Thematisierung von Stress in Ostdeutschland und der Tschechoslowakei/Tschechien vor und nach 1989 in den Blick. Hinsichtlich der Methode wählt der Autor einen konstruktivistischen Zugang. Er untersucht zeitgenössische Diskurse und Praktiken der Stressthematisierung und -bewältigung, wie sie sich etwa in der zeitgenössischen Fachliteratur, in Zeitungsartikeln sowie in Fernseh- und Radiobeiträgen manifestieren. «Stress» wird als Quellenbegriff verstanden, der seit den 1970ern sowohl im Westen als auch im Osten verstärkt im öffentlichen Diskurs auftauchte.

Im Anschluss an das Inputreferat stellt Jan Arend die Baustellen des Projekts vor. Ein zentraler Punkt betrifft die Frage nach den Vergleichsfällen. Arend erwägt demnach, zusätzlich noch eine westlich-kapitalistische Gesellschaft in das Projekt miteinzubeziehen, um Kontinuitäten zwischen West und Ost aufzuzeigen. Auch sind die Untersuchungsfelder noch nicht abschliessend definiert. Die Frage lautet hier: Wo soll Stress verortet werden und wessen Stress wird untersucht? Dazu präsentiert Arend eine erste Gliederung seiner Arbeit. Er schlägt vor, «Stress und Geschlecht» als eigenständige Untersuchungskategorie in den Blick zu nehmen. Weitere Kategorien sind (beim derzeitigen Stand des Projekts) «Jugend» und «Wendestress».

II. Fragen und Diskussion
Der spannende Vortrag löste im Anschluss eine intensive Diskussion aus. Das Plenum interessierte sich für eine Definition und Eingrenzung des Stressbegriffes und fragte in diesem Zusammenhang nach dem Wandel des Begriffs sowie nach der longue durée des Stressphänomens. Auch die begriffliche Abgrenzung von Stress, etwas im Gegensatz zu Angst wurde thematisiert. Jan Arend wies auf den Umstand hin, dass der Begriff vor 1970 hauptsächlich in Experten-Diskursen verhandelt wurde. Dem-nach wurde er zunächst vor allem im Kontext der Materialwissenschaften verwendet. Erst ab den 1970ern sei der «Stress» zu einem öffentlichen Modewort geworden, das in den Alltagswortschatz von Gesellschaften dies- und jenseits des Eisernen Vorhangs eingegangen sei. Arend verortet diese Popularisierung des Stressbegriffs vor dem Hintergrund eines modernen Prozesses der Grenzverwi-schung der Kategorien Krankheit/Gesundheit und Arbeit/Freizeit. Seit den 1970ern lassen sich vermehrt Praktiken der Biopolitik (Foucault) beobachten. Gesundheit bzw. die Abwesenheit von Krankreit ist demnach ein Zustand, der permanent hergestellt und erhalten werden muss (etwa durch Fitness, Ernährung etc.). Auch die Figur des Coaches entsteht in dieser Zeit. Die Konjunktur des Stressbegriffs und den damit einhergehenden Praktiken der Stressbewältigung passten in diesen Kontext, so Arend. Die Grenzverwischung von Arbeit und Freizeit sei in der Literatur bis jetzt hauptsächlich für westliche Gesellschaften beschrieben worden. Auch hier will Arend mit seinem Forschungsprojekt einen Beitrag zur Erweiterung der Perspektive(n) leisten. Zur begrifflichen Abgrenzung bemerkt Jan Arend, dass man «Stress» analytisch in einem Cluster von verwandten Quellenbegriffen untersuchen solle. Eine Reflexion des Stressbegriffs auf theoretisch-marxistischer Ebene gebe es nicht bzw. sei ihm nicht bekannt.
Die Rolle der sozialistischen Ideologie im Kontext der Stresswahrnehmung in der DDR und der Tschechoslowakei sowie die Stresserfahrung von Dissidenten wurden ebenfalls thematisiert. Jan Arend entgegnet, dass der Stress im öffentlichen Diskurs der UdSSR in den 1950ern und 1960ern von offizieller Seite tatsächlich externalisiert worden sei. Stress sei demnach als Problem des kapitalistischen Westens dargestellt worden. Seit den 1970ern entstehe aber parallel zum ideologischen Argument ein apolitischer Diskurs, welcher den Stress als individuelle Belastungserfahrung von Menschen thematisiere. Dieser Diskurs könne aber ebenfalls politisch gedeutet werden, betont Arend: Indem Stress von offizieller (staatssozialistischer) Seite als modernes Phänomen gewürdigt wird, betonen und bestätigen die Akteure die Modernität der Sowjetunion. Hinweise auf den Stress von Dissidenten liessen sich in den Quellen allerdings nicht finden, sagt Arend. Das sei allenfalls eine Frage der Benennung, vermutet er.
Arends Quellenkorpus stand ebenfalls zur Diskussion. Die Verwendung von Fachperiodika und Experteninterviews ließ die Frage nach Patientendaten aufkommen. Hierzu verwies Arendt, dass Patientendaten heikel seien und in der Regel einer Verjährungsfrist unterlägen. Insofern sei der direkte Zugang zu dieser Quellengattung beschränkt. Stimmen von Stressleidenden kämen allenfalls in der zeitgenössischen Publizistik vor. Da Stress auf verschiedensten Weisen entstehen bzw. produziert werden konnte, kam auch die Frage nach dem bewussten Einsatz von Stress in Verhörmethode des Geheimdienst- und Polizeiapparats. Arend hat zu diesem Themenbereich nicht geforscht, will aber der Frage nach den Verhörmethoden gerne nachgehen. Täterstress als spezifische Form hat Arend bisher nicht untersucht und verweist hier auf ein Forschungsprojekt, das an der TU Dresden unter Prof. Dr. Dagmar Ellerbrock durchgeführt wird. Auf die Frage, in wie weit Prozesse der De-Industrialisierung und der Digitalisierung im Forschungsprojekt thematisiert werden und welche Rolle die politische Zäsur von 1989 spielte, entgegnete Arend, dass er die Zäsur von 1989 keineswegs als totalen Bruch begreife. Er verorte seinen Untersuchungsgegenstand vielmehr im Kontext der «Zeit nach dem Boom» (Raphael/Doering-Manteuffel), die gewissermassen einen Bogen von den 1970ern in die ersten Jahre des neuen Jahrtausends und damit von den spätsozialistischen zu den postsozialistischen Gesellschaften Mitteleuropas schlage. Als wichtige statistische Quellen nennt er zeitgenössische arbeitswissenschaftliche Studien, beispielsweise über Arbeitsunfälle in den Fabriken. Generell seien Expertenquellen sehr ergiebig, so Arend. Erfahrungen von «Langeweile» und «Unterforderung» sind Teil der Stressdebatten, Arend thematisiert diese ebenfalls in seinem Projekt, will aber das herkömmliche historiographische Narrativ von der spätsozialistischen Stagnationszeit und der postsozialistischen Phase der extremen Beschleunigung und Dynamik kritisch hinterfragen.
Zum Schluss geht Arend noch auf die Frage der Träger von Stress ein. Dabei bildet das Wech-selverhältnis von Emotionen und dem Ausdruck von Emotionen auf Stufe der Akteure eine wichtige Arbeitsgrundlage seiner Arbeit. Ausdrücke von Emotionen, wie sie in zeitgenössischen Diskursen und Praktiken verhandelt werden, stehen demnach in einem wechselseitigen Zusammenhang mit den «inneren» Emotionen der jeweiligen Akteure. Auch wenn der Zugriff auf die Emotionen damit indirekt über das «Sprechen über Emotionen» erfolge, sei dieser Zugang dennoch valid.
11.06.2018 18:03
Протокол заседания
коллоквиума по восточно-европейской истории Базельского университета
от 14 марта 2018 г. (сост. Оливер Штерхи)
(В первой части протокола перечислены основные тезисы представленного выше доклада Я.Аренда)
… Вслед за вводным рефератом Ян Аренд представил актуальное состояние проекта. Центральной проблемой являются критерии сравнения. Я. Аренд предполагает ввести в проект западное капиталистическое общество, чтобы продемонстрировать преемственности между Западом и Востоком. Исследовательские поля также не получили еще не окончательного определения. Вопрос формулируется так: Где следует разместит стресс и чей стресс исследуется? В этой связи Я. Аренд представил первый вариант структуры своей работы. Он предлагает рассматривать «стресс и пол» в качестве самостоятельной исследовательской категории. Другим категориями (при нынешнем состоянии исследования) являются «молодежь» и «стресс эпохи перемен».

Вопросы и дискуссия
Интересный доклад вызвал интенсивную дискуссию. Присутствующие интересовались определением понятия «стресс» и его границами и в этой связи о развитии понятия и о longue durée самого феномена. Обсуждались также границы между понятиями «стресс» и «страх». Ян Аренд указал, что до 1970-х гг. термин использовался преимущественно в дискуссиях экспертов. Тем самым, он использовался сперва в научном смысле. Лишь с 1970-х гг. он стал модным словом, вошедшим в обыденный словарь обществ по обе стороны «железного занавеса». Аренд связывает популярность термина с современным процессом размывания границ между категориями «болезнь» и «здоровье», «работа» и «свободное время». С 1970-х гг. наблюдаются практики «биополитики» (М. Фуко). Здоровье, или отсутствие болезней превращается, соответственно, в состояние, которое необходимо воспроизводить и поддерживать (с помощью фитнеса, питания и т.д.). Конъюнктура понятия «стресс» и связанные с ним практики его преодоления находилась в этом контексте, по мнению Я.Аренда.
Размывание границ между работой и свободным временем до сих пор преимущественно описано в литературе о западных обществах. В этом пункте Я.Аренд хочет своим проектом внести вклад в расширение перспективы. По поводу терминологического разграничения Я. Аренд заметил, что «стресс» следует поместит в кластер родственных понятий, встречающихся в источниках. Рефлексия о понятии «стресс» в марксисткой теории отсутствует, по крайней мере, емуона неизвестна.
Обсуждались также роль социалистической идеологии в контексте восприятия стресса в ГДР и Чехословакии, а также опыт стресса у диссидентов. Ян Аренд обратил внимание, что стресс фактически был официально экстернализирован в общественных дискуссиях 1950-х и 1960-х гг. В соответствии с этим стресс изображался в качестве проблемы капиталистического Запада. Но с 1970-х гг. параллельно с идеологической аргументацией возник аполитичный дискурс, который тематизировал стресс в качестве индивидуального человеческого опыта перегрузок. Но этот дискурс также можно интерпретировать в качестве политического, подчеркнул Я. Аренд: оценивая стресс с точки зрения официального государственного социализма в качестве современного феномена, участники дискуссий подчеркивали и подтверждали модерность СССР. Указаний на стресс в диссидентских текстах обнаружить не удалось. Я.Аренд предполагает, что это связано с вопросом терминологии.
Обсуждался также корпус источников Я.Аренда. Использование профессиональной периодики и экспертных интервью спровоцировало вопрос о базах данных пациентов. В ответ Я. Аренд указал на то, что этот вопрос является щекотливым и базы данных защищены сроком давности. Поэтому прямой доступ к этому виду источников ограничен. Однако голоса жертв стресса встречаются в публицистике тех лет.
Так как стресс может возникать или создаваться самыми различными способами, возник вопрос и сознательном использовании стресса в методах допросов спецслужб и полиции. Я. Аренд не занимался исследованием в этой сфере, но охотно проследил бы эту тему. Стресс преступника как специфическую форму Я. Аренд до сих пор не изучал, но указал на исследовательский проект Дрезденского технического университета, который проводится под руководством профессора Дагмара Эллекрброка.
На вопрос о том, насколько глубоко обсуждаются в исследовательском проекте процессы деиндустриализации и дегитализации и какую роль играл поворот 1989 г., Я. Аренд ответил, что он ни в коем случае не считает цезуру 1989 г. тотальным разрывом. Скорее он рассматривает свой предмет исследования в контексте «времени после бума» (Рафаэль / Деринг-Мантойфель), которое охватывает период с 1970-х гг. до первых лет нового тысячелетия, т.е. позднесоциалистические и постсоциалистические общества Центральной Европы.
В качестве важного статистического источника он называет прикладные исследования тех лет, например, о несчастных случаях на производстве. В целом, экспертные источники очень богаты, по мнению Я.Аренда. Опыт «скуки» и «недогрузки» являются частью дебатов о стрессе. Их Я.Аренд также обсуждает в своем проекте. Однако он хочет критически проанализировать наличный историографический нарратив о позднесоциалистическом застойном времени и постсоциалистической фазе крайнего ускорения и динамики.
В заключении Я. Аренд коснулся вопроса о носителях стресса. Соотношение эмоций и выражения эмоций акторами образует важную основу его исследования. Выражения эмоций, практиковавшиеся в дискурсах и на деле, находятся в сложном взаимодействии с «внутренними» эмоциями тех или иных акторов. Хотя доступ к эмоциям не является прямым и происходит через «разговор об эмоциях», этот подход все же обеспечивает достоверность.
11.06.2018 18:03
ПРОТОКОЛ
обсуждения челябинской группой текста Яна Аренда
«Стресс в позднем социализме и постсоциализме.
К вопросу об общественном обращении с опытом перегрузок в Восточной Германии и Чехословакии/Чехии в 1970-2000 гг.»
(10 мая 2018 г)

В обсуждении приняли участие сотрудники Научно-образовательного центра «Культурно-исторические исследования», а также аспиранты и магистранты кафедры Отечественной и зарубежной истории ЮУрГУ.
Тема, предложенная Яном Арендом, вызвала большое оживление у российской аудитории. Хотя и не без иронии, жизнь в России нередко определяется как перманентный стресс, а потому и само понятие стресса, и его дискурсивное использование почти не рефлексируются – настолько они привычны. Тем более интересным и необычным представляется предложенный автором ракурс и объекты исследования – формирование «прикладного» и дискурсивного обращения с феноменом стресса в странах социализма, по умолчанию считавшихся более благополучными, чем СССР/Россия. Участники заседания семинара высоко оценили методологическую «оснастку» проекта и намерение автора заполнить лакуны в социальной историю позднего социализма и постсоциализма в Центральной Европе.
Александр Фокин, открывший дискуссию, обратил внимание на некоторую хронологическую нестыковку – в заглавии заявлены широкие хронологические рамки (1970-2000 гг), а в фокусе предложенного фрагмента – ситуация рубежа 80-х – 90-х. Какой же все-таки отрезок предполагается к охвату – 30 лет, включающие и поздний социализм, и постсоциализм, или только собственно переходный период?
У участников группы сложилось коллективное впечатление, что, говоря о «поддержке» понятия «стресс» экспертным сообществом, автор имеет в виду исключительно медицинские круги. Так, в подтверждение того, что «в позднем социализме стало возможным обсуждать со ссылкой на стресс опыт перегрузок в социалистической повседневности, не озвучивая критику общественного порядка, опасную в условиях репрессивного партийного государства» — он приводит сноску на заметку в «Берлинер Цайтунг» о съезде кардиологов и обсуждении мер по профилактике гипертонии. Разумеется, можно предположить озабоченность медицинского сообщества распространением гипертонических заболеваний в ГДР. Но корректно ли напрямую увязывать мнение, высказанное врачами по поводу конкретной медицинской проблемы на профессиональном съезде с общественным мнением в более широком смысле, тем самым превращая медицинский дискурс в эвфемизм публичного обсуждения? Ольга Никонова, в свое время достаточно плотно работавшая с экспертными оценками медицинской статистики 70-х-80-х гг в СССР по другому поводу, указала на замкнутость профессионального врачебного дискурса, обусловленную, помимо всего прочего, и медицинским этосом врачебной тайны, и предписанием властей «не тревожить общество психологически». Если же речь о том, что общество освоило и научилось пользоваться элементами этого дискурса, то, возможно, стоило бы более детально прописать механизмы такой инструментализации и ее исследования.
Были отмечены и серьезные вызовы, стоящие перед исследователем – прежде всего источниковедческого характера. Автор утверждает, что в позднем и постсоциализме стресс привлек интерес медиков и психологов и одновременно стал для большой части населения «ключевым эмоциональным опытом в эпоху общественного перелома». Юлия Хмелевская обратила внимание, что заявленный к проработке круг источников (специальная литература по медицине и психологии, медиа, статистика, интервью с экспертами-современниками событий) скорее объективирует стресс, чем позволяет оценить его как субъективный эмоциональный опыт и понять, как с ним «работали» сами его носители. Например, до какой степени «обывательский» дискурс совпадал с экспертным? Насколько рядовой индивид понимал гибкость понятия «стресс» или осознавал в качестве стресса то, что подобным образом квалифицировалось и «популяризировалось» медиками и психологами? «Перекос» в сторону экспертных –проблема, хорошо знакомая историкам. Каким образом автор планирует преодолевать этот дисбаланс?
Дискуссионным в группе стал и вопрос о путях трансфера и «внешних» факторах влияния на формирование «стрессоцентричного» дискурса в исследуемых странах. Учитывая их исторические корни и географическое положение, нетрудно предположить их проницаемость – как для взаимного влияния Восточной Германии и Чехословакии/Чехии друг на друга, так и для «блокового» (западного и советского). Однако, в отношении последнего, как отметили сразу несколько участников, стоило бы принять во внимание изначальный космополитизм экспертного знания о стрессе и, соответственно, используемой терминологии и ее лингвистических адаптаций. Ведь ощущение «акселерации истории», ускорения, перегрузок (технологических, физических, эмоциональных), в последней трети XX в. носило глобальный характер и проговаривалось вне политико-идеологического контекста. С другой стороны, говоря о советском влиянии на ГДР и ЧССР, возможно, не стоит чрезмерно акцентировать его асимметричность, а обратить внимание и на посредническую, транзитную роль центрально-европейских стран в разнообразных контактах между СССР и Западом.
Завершая обсуждение, участники хотят сделать оговорку, что рассмотренный ими русскоязычный вариант текста оказался сконцентрированным преимущественно на вводно-постановочной части. То есть, фактически российской группе был предложен лишь фрагмент исследования, где значительная часть текста была принесена в жертву весьма обширному списку литературы. И потому, возможно, оказались недоступными некоторые авторские аргументы и детали, изложенные в гораздо более объемной первоначальной немецкой версии, обсуждавшейся ранее в Базеле.
Челябинская группа благодарит Яна Аренда за интересный текст и желает автору успехов в продолжении проекта.
11.06.2018 18:11
PROTOKOLL
Die Tscheljabinsker Gruppe des Internetseminars hat den Text von Jan Arend Stress im Spät- und Postsozialismus. Zum gesellschaftlichen Umgang mit Belastungserfahrungen in Ostdeutschland und der Tschechoslowakei/Tschechien, 1970-2010 am 10. Mai 2018 diskutiert. An der Besprechung nahmen die Mitarbeiter des Zentrums für Kulturgeschichte und die Studenten der Abteilung für Russische und Internationale Geschichte der Süduralischen Staatlichen Universität teil.
Das vorgeschlagene Thema führte zur einen lebhaften Reaktion des russischen Publikums. Obwohl nicht ohne Ironie das Leben in Russland oft als ein permanenter Stress definiert wird, werden das Konzept vom Stress und seine diskursive Verwendung selten reflektiert betrachtet. Desto höher haben die Diskutanten die methodischen Zugänge des Projekts eingeschätzt und so die Absicht des Autors, die bestehenden Lücken in der Sozialgeschichte des späten Sozialismus und Postsozialismus in Mitteleuropa zu füllen.
Alexander Fokin hat die Aufmerksamkeit der Diskutanten auf eine chronologische Widersprüchlichkeit gelenkt: obwohl der Titel einen breiten chronologischen Rahmen umfasst — 1970-2000 – ist der Schwerpunkt eher auf die 1980er — 90er gelegt. Wäre das Ziel des Projektes 30 Jahre pauschal zu erforschen – sowie den Spätsozialismus als auch den Postsozialismus – oder doch nur die Umbruchsphase?
Insgesamt entstand bei den Teilnehmern den Eindruck, dass der Autor, wenn er auf die „Unterstützung" des Begriffs «Stress» durch die Expertengemeinschaft Bezug nimmt, ausschließlich medizinische Kreise im Auge hat. Er weist z.B. in einer Fußnote auf eine Notiz in der „Berliner Zeitung“ hin über einen Kardiologenkongress zum Thema Vorbeugung von Bluthochdruck. Natürlich kann man die Besorgnis von Medizinern über die Ausbreitung hypertensiver Erkrankungen in der DDR nachvollziehen. Aber wäre es korrekt, die von den Ärzten geäußerte Position über ein bestimmtes medizinisches Problem direkt mit der öffentlichen Meinung in einem weiteren Sinne in Verbindung zu setzen und damit den medizinischen Diskurs zu einem Euphemismus für die öffentliche Diskussion zu machen? Olga Nikonova, die sich früher sehr intensiv mit den sowjetischen medizinischen Experteneinschätzungen 1970er-80er Jahre beschäftigt hat, wies auf die Geschlossenheit des professionellen medizinischen Diskurses hin. Einerseits war der Grund dafür das medizinische Ethos und die ärztliche Schweigepflicht, andererseits der Druck seitens der Behörden, keine unnötige Unruhe in der Bevölkerung zu stiften. Wenn es doch darum geht, dass die Gesellschaft die Elemente dieses Diskurses richtig angeeignet hatte, dann könnte es sich lohnen, die Mechanismen solcher Instrumentalisierung und ihrer Untersuchung genauer zu beschreiben.
Eine ernsthafte Herausforderung für das Projekt sehen die Teilnehmer in der Quellenbasis. Der Autor behauptet, dass Stress im Spät- und Postsozialismus das Interesse von Medizinern und Psychologen geweckt sollte und gleichzeitig für einen großen Teil der Bevölkerung zu einer zentralen emotionalen Erfahrung in der Ära des sozialen Bruchs geworden sei. Julia Khmelevskaya bemerkte, dass die im Text genannten Quellen (Fachliteratur für Medizin und Psychologie, Medien, Statistik, Interviews mit den zeitgenössischen Experten) helfen eher den Stress objektiviert zu verstehen und nicht als eine subjektive emotionale Erfahrung zu begreifen. Diese Quellen bringen uns nicht näher zum Verständnis, wie die Erfahrungsträger ihren Stress erlebt und verarbeitet hatten. Es bleibt die Frage offen, inwieweit der Laiendiskurs zum Beispiel mit der Expertenmeinung übereinstimmte? Ob ein Individuum die Flexibilität des Begriffes «Stress» verstanden hätte? Oder hätte er unter „Stress“ gemeint, was von Ärzten und Psychologen gleichermaßen qualifiziert und «popularisiert» wurde? Diese «Verdrehung» zugunsten der Experten ist kein neues Problem für die Historiker. Wie plant aber der Autor, dieses Ungleichgewicht zu überwinden?
Zum Schluss wurde in der Gruppe die Frage nach den Transferwegen und «externen» Einflussfaktoren in den untersuchten Ländern diskutiert. Angesichts ihrer historischen Wurzeln und ihrer geographischen Lage ist ihre Durchlässigkeit offensichtlich: sowohl für die gegenseitige Beeinflussung der DDR und der Tschechoslowakei / der Tschechischen Republik als auch für die «Blöcke» (West und Sowjet). Es wäre sinnvoll, den ursprünglichen Kosmopolitismus des Expertenwissens über Stress und damit die verwendete Terminologie und ihre sprachlichen Anpassungen zu berücksichtigen. Immerhin war das Gefühl von «beschleunigender Geschichte», Überforderung (technologischer, physischer, emotionaler) im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts global präsent und wurde auch jenseits des politisch-ideologischen Kontextes diskutiert. Andererseits löhnte es sich jedoch, die Asymmetrie des sowjetischen Einflusses auf die DDR und die Tschechoslowakei kritisch zu hinterfragen und eher die Vermittlungsrolle von mitteleuropäischen Ländern bei den verschiedenen Kontakten zwischen der UdSSR und dem Westen zu betonen.
Die Tscheljabinsker Gruppe dankt Jan Arend für einen interessanten Text und wünscht ihm viel Erfolg bei der Fortsetzung des Projekts.